2.222  Georg Simonsß, Clemens Dircks und eine Frau, genannt Marie Joris, im Jahre 1557.

Zu dieser Zeit sind noch zu Haarlem in Holland drei fromme Zeugen der Wahrheit in der Tyrannen Hände gefallen. Von denselben wurde der eine Georg Simonß, der andere Clemens Dircks, die Frau aber Marie Joris genannt. Diese alle haben, als treue Knechte, an dem gemeldeten Orte, um der Wahrheit Christi willen, schweres Gefängnis und scharfe Untersuchungen (durch Gottes Gnade) standhaft ertragen und auch in dieser ihrer großen Not, ihr empfangenes Pfund mit dem faulen Knechte nicht in die Erde verborgen, sondern es mit großem Ernste auf Wucher gelegt, und das Wort des Herrn von der Tür ihres Gefängnisses beherzt zu eines jeden Besserung verkündigt; auch haben sie außerdem durch ein Gedicht die Ursache dieser ihrer Gefangenschaft bekannt gemacht, wie sie nicht als Diebe und Mörder, oder als solche, die anderer Leute Gut nachstellten, litten, sondern, daß dieses allein um des Glaubens der Wahrheit und eines reinen Gewissens willen geschehen sei, und daß sie um der reinen Furcht des Herrn willen der Unwahrheit nicht folgen könnten. Der hauptsächlichste Inhalt jenes Liedes ist in den nachfolgenden Punkten enthalten:

1. Wie sie, mit allen wahren Zeugen Gottes, glauben und bekennen, aus Kraft der Heiligen Schrift, daß der gesegnete Jesus Christus von oben herab, vom Himmel gekommen und von Gott, seinem himmlischen Vater, ausgegangen sei, und daß er deshalb rein und lauter, keineswegs aber von Adams sündlicher und vergänglicher Natur sei.

2. Weil sie sich nach dem Befehle Christi auf ihren Glauben haben taufen lassen, und dagegen bekannt haben, daß die Kindertaufe nicht von Gott sei, sondern gegen sein Wort streite, und daß man aus Christi eigenem Munde wohl wisse, daß die Kinder vollkommen in Gottes Gnade und einem seligen Stande stehen, ohne daß man nötig habe, die Taufe oder sonst eine Zeremonie an ihnen zu gebrauchen. Deshalb halten wir dafür, daß alles, was man mit allem diesem, als zur Seligkeit der Kinder, auszurichten sucht, nichts anderes als ein nichtiges, menschliches Unternehmen sei.

3. Vom Abendmahle des Herrn bekennen sie auch, daß sie solches nach des Herrn Befehle gehalten haben, und daß laut der Einsetzung Christi, wie er, der Gesegnete, es selbst mit seinen Aposteln gehalten hat, worin ein jeder sich wohl untersuchen soll, ehe er zu dieser Tafel geht; auch, daß Christus sein Abendmahl nicht mit Trunkenbolden, Frauenschändern oder denen gehalten habe, von welchen man etwas Böses wusste, wie man bei den Papisten gewohnt ist.

4. Dagegen verwerfen sie auch mit Nachdruck der Papisten kleines gebackenes Brot, oder geweihte Hostie, die sie den Leuten für den wahren, wesentlichen Sohn Gottes anpreisen, um daselbst in der Not Gnade und Seligkeit zu suchen und bekennen, daß sie alle gröblich irren, die solches Brot verehren oder ein göttliches Vertrauen darauf setzen.

5. Weil sie den Papst und die römische Kirche nicht für die Gemeinde Gottes erkennen könnten, sondern daß sie derselben mit allen ihren Zeremonien widersprechen. Sie hielten auch nicht dafür, daß dieser ihr Kaufhandel, den sie hierin trieben, von Gott sei.

6. Weil sie in der Gemeinde keine andere Strafe der Übertreter erkannten, als die evangelische Absonderung. Dadurch könnte man die Bösen von den Frommen absondern, um dem Herrn eine reine Gemeinde zuzuführen, worunter keine Unreinen oder Befleckten wohnen, sondern hinausgetan werden sollten. Dieselbe bekennen sie, die Königin und Braut Christi zu sein.

Durch solche und dergleichen Umstände hat das Feuer des Evangeliums in Haarlem, trotz der Gewalt dieses Tyrannen, so heftig zu brennen angefangen, daß eben in der Nacht, als man mit ihnen so übel umging, der gottesfürchtige Bouwen Lubbertß auf der Schoutsstraße zu jedermanns Besserung eine herrliche Ermahnung ohne Scheu oder Furcht gehalten hat, wodurch keine geringe Erbauung stattgefunden hat.

Als man den 26. April 1557 den oben gemeldeten Georg und Clemens zum Tode hinausgeführt hat, hat sie das gemeine Volk sehr beklagt; sie aber sagten: Weint nicht über uns, sondern über eure Sünden, und tut wahre Buße. Darauf, nachdem sie ihr Gebet mit brünstigem Herzen zu Gott getan hatten, ist ein jeder an einen Pfahl gestellt worden, worauf sie sagten: Wir leiden nicht um Übeltat willen, sondern nur, weil wir der Wahrheit gehorsam sind. Als sie ihren Geist oder ihre Seelen, mit einem festen Vertrauen in die Hände Gottes befohlen, so haben sie ihre Hälse tapfer und ohne Scheu für die Wahrheit ausgestreckt, und sind zuerst erwürgt, dann aber verbrannt worden. So sind sie, zum Troste und zur Freude vieler Frommen, bei der angenommenen Wahrheit des heiligen Evangeliums standhaft bis ans Ende geblieben. Als sie aber nun ihre Tyrannei mit Würgen und Brennen geendigt hatten, haben sie, um diese ihre Lehre zu unterdrücken, auch ihre Bücher zu verbrennen gesucht; denn wie uns die Alten berichtet haben, so war der Bücherverkauf des Georg Simonß Hantierung. Als man nun den Brand der Bücher bemerkte, ist ein solcher Auflauf unter dem Volke entstanden, daß sich die Herren davon machten, worauf man die Bücher unter das gemeine Volk warf, das mit großem Verlangen darnach griff. So ist durch die göttliche Fügung die Wahrheit, anstatt daß sie hat unterdrückt werden sollen, durch das Lesen solcher Bücher nur desto mehr ausgebreitet worden. Die oben gemeldete Marie Joris aber ist auch in dieser Versuchung treu geblieben, und hat ihren Glauben tapfer vor den Herren bekannt, denn sie war bereit, ihr Leben für den Namen des Herrn mit ihren Brüdern zu übergeben. Weil sie aber schwanger war, hat sie bis nach ihrer Niederkunft warten müssen, aber dem Herrn gefiel es anders, denn sie ist während der Geburt gestorben und dadurch vom Fleische erlöst worden, daß diese Tyrannen ihren Mutwillen an ihr nicht kühlen konnten. So ist sie mit ihren Brüdern im Herrn entschlafen.

Wem es gefällt, der lese diese Geschichte in dem alten Liederbuche, welche diese Zeugen selbst in ihrer Gefangenschaft, gleichwie auch der fromme Bouwen Lubbertß, in Reime gebracht haben.