2.203  David und Levina.

Zu Gent, in Flandern, wurde im Jahre 1554 ein junger Bruder, namens David, gefangen genommen, weil er Christo nachfolgte und die Gebote Gottes hielt, welcher, als er untersucht wurde, seinen Glauben ohne Furcht bekannt hat, und als er gefragt wurde, was er von dem Sakramente hielt, sagte David, er hielte solches für nichts anderes als für eine Abgötterei. Darauf sprach ein Pfaffe zu ihm: Freund, du bist sehr verführt, weil du so leicht deinen Glaube bekennst, denn wenn du dich nicht bei Zeiten bedenkst, so wird es dich das Leben kosten. Darauf antwortete David mit sanfter Stimme: Ich bin bereit, für den Namen Christi mein Blut zu vergießen, und sollte es hier auf diesem Platze sein; denn Gott ist mein Heil, der wohl vor allem Übel behüten und bewahren kann. Der Pfaffe sprach: So gut wird es dir nicht ergehen, daß man dich hier auf diesem Platze heimlich töten wird, sondern man wird dich öffentlich auf dem Markte, zur ewigen Schande, an einem Pfahl mit Feuer verbrennen. Nachher hat man ihn vor Gericht gebracht, wo er zum Tode verurteilt worden ist; sein Urteil wurde abgelesen und lautete, daß er von dem rechten Glauben in Ketzerei verfallen sei, und darum, nach des Kaisers Befehle, verurteilt werde, erwürgt und verbrannt zu werden. David sante: Es wird mir niemand mit der Schrift beweisen können, daß der Glaube Ketzerei sei, um deswillen ich nun sterben muss.

Mit ihm wurde auch eine Frau, Levina genannt, zum Tode verurteilt, welche nicht nur ihre sechs lieben Kinder, sondern auch ihr zeitliches Leben lieber verlassen wollte, als ihren lieben Herrn und Bräutigam Jesum Christum. Als sie auf die Schaubühne kamen, wollte David niederknien und sein Gebet zu Gott verrichten; aber solches wurde ihm nicht erlaubt, sondern sie wurden nach den Pfählen fortgetrieben. Als sie nun an denselben standen, sprach David zu Levina: Freue dich, liebe Schwester, denn was wir hier leiden, ist nicht mit dem ewigen Gute zu vergleichen, welches unserer wartet. Als sie nun ihr Opfer tun wollten, riefen beide: Vater, in deine Hände befehlen wir unsern Geist. Da wurde einem jeden ein Säcklein mit Schießpulver angehängt, worauf sie erwürgt und verbrannt worden sind. Hierbei zeigte sich ein öffentliches Wunderwerk Gottes, denn als sie verbrannt waren und das Feuer ausgelöscht war, sah man, daß David sein Haupt noch bewegte, so daß das Volk rief: Er lebt noch. Der Scharfrichter nahm die Gabel in die Hand und stach ihm damit dreimal in den Bauch, daß das Blut herauslief; gleichwohl sah man ihn nachher sich noch bewegen. Darum legte der Scharfrichter eine Kette um seinen Hals, band ihn an den Pfahl und zerbrach ihm so den Hals.

So haben diese beiden sich tapfer durchgestritten, mit festem Vertrauen zu Gott, der sie auch nicht zu Schanden werden ließ, denn sie hatten ihren Bau auf den einigen Grund fest gegründet, weshalb sie auch in Ewigkeit nicht vergehen, sondern allezeit unbeweglich bleiben werden.