2.182  Des Adrian Cornelius Bekenntnis vor der Obrigkeit.

Dieses ist des Adrian Cornelius Bekenntnis vor der Obrigkeit und den Pfaffen, nebst einem Berichte, wie er gefangen genommen worden ist.

Meine werten, herzlich geliebten, Brüder und Schwestern, Heil sei den zwölf Geschlechtern, die hin und her zerstreut sind, in Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien, samt allen, die den Herrn aus reinem Herzen an ihren und unsern Orten anrufen. Ich muss euch ein wenig schreiben und hoffe hiermit meinen Abschied zu nehmen. Hört, wie es mir in meiner Gefangenschaft ergangen ist. Es hat sich zugetragen, dass ich nach Leyden gekommen bin, wo ich mit meinem Bruder ein Gespräch hatte; wir wunderten uns, woher es käme, dass sie unsere Freunde so lange gefangen hielten. Darum verabredeten wir, dass ich mit des Schultheißen Knecht, welcher Jan von Delft genannt wurde, reden und ihn fragen sollte, wie es um die Gefangenen stände, und ob sie nicht bald aufgeopfert würden. Er sagte hierauf: Ich höre gar nichts davon. Da sagte ich: Diese lange Gefangenschaft macht euch viel Mühe. Jan: Ich wäre wohl zufrieden, wenn es bald zu Ende wäre. Adrian: Du kannst kaum mehr fort. Jan: Ja, das ist wahr. Adrian: Dir wäre wohl Ruhe nötig. Jan: Ja, es wäre bald Zeit. Adrian: Jan Jantz, ich möchte wohl ein wenig mit dir von einigen Dingen reden. Jan: Ich habe hier noch etwas zu tun, nachher aber will ich mit dir reden; warte hier ein wenig auf mich. Ich wartete ein wenig und er kam noch ehe er die Gefangenen versorgt oder ihnen Essen gebracht hatte; er redete freundlich mit mir und war mit meinen Worten so sehr einverstanden, dass ich nichts anderes dachte, als er würde unsern Glauben auch annehmen. Da sagte ich: Jan Jantz, was dünkt dich; willst du dieses Amt aufgeben und die Gefangenen befreien, dann will ich machen, dass es dir wohlgehen soll, denn solches kannst du tun, du hast die Schlüssel. Ehe ich ihm dieses Anerbieten machte, hatte er schon zu unsern Freunden im Gefängnisse gesagt: Ich will einmal die Tür offen stehen lassen, dass ihr herauslaufen könnt. Was willst du denn tun, sagten unsere Freunde. Um deswillen bin ich desto kecker in meiner Rede gewesen, wobei ich mich der Worte Pauli von dem Stockmeister erinnerte, ob etwa der Herr diesem auch einige Gnade gegeben hätte, und da mich unsere Freunde hierzu aufforderten, redete ich viel mit ihm. Er nannte mir einige und fragte, ob ich dieselben wohl kenne. Ich sagte: Nein, ich habe aber wohl von ihnen gehört; doch nannte er mir einen, den ich wohl kannte. Da sagte ich: Ja, ich kenne diesen wohl. Darauf fragte er mich, wo ich her sei? Ich antwortete: Ich bin in Schonhoven geboren, sagte ihm aber nicht, dass ich in Delft wohnte; aber wie klug ich auch war, so war doch der Teufel listiger, wie bekannt ist. Wir gingen lange miteinander und kamen wieder an das Gefängnis. Da sagte er: Willst du einmal mit den Gefangenen reden? Ich ging unverzagt hinein und kam zu unsern lieben Schwestern und redete mit ihnen, wiewohl ich mich nicht zu erkennen gab. Dieser Diener aber ging ein wenig beiseite und redete mit einem andern Diener; da merkte ich wohl, was mir begegnen, würde. Es möchte aber vielleicht jemand fragen oder sagen: Warum bist du hineingegangen? O liebe Freunde, mein Fleisch und Blut hat mich nicht hineingetrieben; hier gilt weder Laufen noch Rennen, sondern es gilt, wie der Prophet sagt: Wir mögen wohl fliehen, aber nicht entfliehen. Darum kommen wir alle endlich an den Ort, wo wir hingehören. Ich dachte nicht, dass ich nach Leyden eine glückliche Reise haben würde. Hierauf fragte mich der andere Diener, ob ich hinauf zu den andern gehen wollte; ich dachte, es ist schon so arg, als es werden mag, und ging hinauf; sofort schlossen sie die Türe hinter mir zu, und der eine ging nach dem Schultheißen.

Als ich nun ein wenig droben war und mit unsern Freunden geredet hatte, ging ich wieder hinunter; da öffneten sie die Türe und der Nachtschultheiß stand vor derselben. Er sagte: Hier warte ein wenig. Ich fragte hierauf, ob ich hinauf gehen sollte? Er sagte: Ja. Hierauf sagte ich: Christus hatte zwölf Apostel und einer derselben war ein Judas; hier aber waren zwei und einer war ein Judas; wohlan denn, der Herr sei gelobt für seine Gnade. Bald darauf wurde ich oben allein eingeschlossen; ich aber fing sofort an, das Lied zu singen: Wie bist du nun, o Wahrheit, so zertreten! Ich hatte aber nicht lange Zeit, denn es versammelte sich sehr viel Volks; sie kamen auch und nahmen mir mein Testament und das Liedlein von unsern vier Freunden, das ich gemacht hatte. Dann schlossen sie mich ein unten bei E. S. Es dauerte nicht lange, so kam der Schultheiß mit dem ganzen Rate; die Pforten wurden zugeschlossen, und man sagte, es seien ihrer ein Dutzend in Leyden, sie waren auch sehr emsig und meinten, sie hätten einen großen Hans oder Hauptmann gefangen, wiewohl leider nicht. Der Schultheiß fragte hierauf: Wo ist dein Dolch. Ich antwortete: Mein Meister hat mich keinen Dolch tragen lehren. Schultheiß: Wer ist dein Meister? Adrian: Christus ist mein Meister. Schultheiß: Christus ist unser aller Meister. Adrian: Wäre Christus euer Meister, ihr würdet euch nicht unterstehen, wider Ihn zu streiten; aber es wird euch teuer zu stehen kommen, wider den Stachel zu lecken. Schultheiß: Solches fällt auf uns. Da fragten sie, wo ich geschlafen hatte. Adrian: Ich habe wohl geschlafen; hast du übel geschlafen? Schultheiß: Nein; ich will es dich wohl sagen machen. Darauf fragte einer von den Herren, ob ich wiedergetauft wäre. Ich sagte: Nein, ich bin einmal recht getauft. Schultheiß: Wer hat dich getauft? Ich fragte, ob er auch getauft werden wollte. Schultheiß: Schäme dich nicht, solches zu sagen; ich will dir wohl sagen, wo und von wem ich getauft bin; hier in der St. Peterskirche. Adrian: Willst du auch getauft sein, so will ich dir’s wohl sagen. Schultheiß: Dazu habe ich noch keine Lust. Adrian: Du bist noch nicht tüchtig dazu. Schultheiß: Wo ist der Knecht mit dem Hute, der mit dir ging? Adrian: Ich weiß von keinem Knechte mit dem Hute. Schultheiß: Wir haben ihn mit dir gehen gesehen. Adrian: Herr Schultheiß, du lügst; wärest du Christi Diener, so gebührte dir nicht zu lügen. Da gaben sie mir das Lied von den Freunden und fragten mich, wer es geschrieben hätte. Ich sagte: Ich habe es geschrieben. Sie fragten mich, ob ich es auch in Reime gebracht hätte. Ich sagte: Ich habe es geschrieben; aber wer es in Reime gebracht hatte, davon sagte ich nichts. Da sagte der Unterschultheiß: Du warst auf einen Freitag bei mir und hast mir von Maria Magdalena eine untertänige Begrüßung gebracht. Hier hast du auch gelogen, denn mein Meister hat mich keinen untertänigen Gruß gelehrt. Unterschultheiß: Oder Ermahnung. Adrian: Dem ist nicht so. Dann sagten die Diener und mehrere andere: Der Knecht ist trunken. Ja, liebe Freunde, da fielen mir die Worte des Petrus, Apg 2, ein: Denn wie sie trunken waren, so auch ich; ich hatte den ganzen Tag weder Bier noch Brot versucht. Hierauf wollten sie wieder weggehen, sie wussten aber nicht, wohin sie mich setzen sollten, denn Jan von Delft, der Diener, sagte: Jetzt steht es gut mit E. S., aber nun wird ihn dieser Bösewicht wieder verderben. Dessen ungeachtet haben sie mich zu ihm gesetzt. Dieses alles ist denselben Montag geschehen, als ich gefangen genommen wurde.

Den folgenden Donnerstag kam der Schultheiß mit zwei Ratsherren und einem Verordneten aus dem Haag. Sie fragten mich vieles, ich aber sagte nichts; auch fragten sie mich, wo ich geschlafen hätte, was ich ihnen auch nicht sagen wollte, und noch viele andere Dinge, welche zu weitläufig sind, zu erzählen; auch fragten sie: Kennst du wohl Gelis von Aachen? Ich sagte: Ich bin noch niemals in Aachen gewesen. Als sie aber näher nachfragten, sagte ich: Ja, ich kenne ihn. Da fragten sie, wo ich bei ihm gewesen wäre. Ich sagte: Solches kann ich euch nicht sagen; dabei blieb es. Sie sagten: Man wird es dich wohl sagen machen; hierauf entgegnete ich: Meine Herren, ich habe mich allezeit gehütet, viel zu wissen, damit, wo ich gefangen würde, ich nicht viel sagen dürfte. Dann legten sie mir die Briefe vor, die ich ihnen gesandt hatte und auch das Lied; sie sahen auch wohl, dass es alles von derselben Hand geschrieben war, ich aber bekannte es nicht; ich dachte, es würde noch früh genug kommen, denn ich müsste ihnen doch etwas sagen, wenn sie mich peinigten; außerdem ging auch die Sache mich selbst an, darum habe ich es nicht verschwiegen, als ich gepeinigt wurde; von andern aber habe ich keinen Befehl, um sie in Ungelegenheit zu bringen; auch begehrte ich niemals, wenn ich mit jemand redete, zu wissen, wo die Freunde wohnten. Darum wisset, lieben Freunde, dass hierin unter einigen ein großer Mangel sei, welche allezeit nach diesem und jenem fragen, und wenn man es nicht sagt, es übel aufnehmen. Ach, liebe Freunde, wüsstet ihr, was das für ein Leiden wäre, wenn ihr gefangen seid, ihr würdet nicht so fragen. Wollt ihr nun etwas fragen, so fragt nach dem Glauben, der eure Seele selig machen kann. Seht, meine lieben Freunde, nehmt dies zum Besten auf, denn ich habe euch dieses aus Liebe geschrieben. Alle Pein, die ich ausgestanden habe, ward mir darum angetan, weil sie andere von mir wissen wollten; darum je weniger ihr wisset, desto weniger habt ihr zu verantworten. Da besah der Verordnete mein Testament und sagte: Das ist ein verbotenes Testament. Ich sagte: Da hast du auch gelogen; hierauf schwieg er still, und es ward Abend. Sie aber gingen davon und versprachen mir, nächstens Gericht über mich zu halten. Früh morgens am Samstag kamen sie alle vor acht Uhr und brachten mich in das Foltergefängnis, wo der Scharfrichter war. Hierauf fragten sie mich, ob ich mich eines andern besonnen hätte und antworten wolle. Ich fing an, sie zu ermahnen; sie sagten: Wir sind nicht gekommen, von dir unterrichtet zu werden, sondern wir fragen dich, ob du es sagen wollest, aber ich hatte hierzu keine Lust. Da zog mir der Scharfrichter die Kleider aus und band meine Hände auf den Rücken; sie befestigten sodann einen Pflock an meine Beine und zogen mich mittelst eines Zughaspels in die Höhe und ließen mich hängen. Als ich nun so hing, fragten sie mich, aber ich antwortete nicht; indem sie mich aber wieder niederließen, fragte der Schultheiß, wo ich gearbeitet, nachdem ich Flandern verlassen hätte; zu Delft, sagte ich. Da sie mich aber noch mehr fragten und ich es nicht sagen wollte, zogen sie mich wieder in die Höhe; sie lösten aber den Pflock von meinen Beinen, banden mir dieselben zusammen, dann steckte der Scharfrichter ein Holz oder Eisen zwischen dieselben und stellte sich auf dieses.

Als er mich nun wieder heruntergelassen hatte, fragte der Schultheiß, ob ich zu einer gewissen Zeit, die er nannte, mit sechs andern von meinen Freunden in Leyden gewesen wäre; solches bekannte ich nicht. Da zog mich der Scharfrichter wieder in die Höhe; sie hatten übrigens meine Augen verbunden, nahmen Ruten und geißelten mich. Als sie mich wieder niederließen, sagte der Schultheiß: Sage solches, oder ich will es dir sagen; ich wollte niemanden in Ungelegenheit bringen. Da zogen sie mich wieder in die Höhe, zupften mich bei meinem Barte und meinen Haaren, und schlugen und geißelten mich auf meinem Rücken; ich sah jedoch nicht, wer es tat, denn meine Augen waren verbunden. Sie hätten auch wohl fragen mögen: Wer hat dich geschlagen? Dieses hielt so lange an, bis ich mit sieben oder acht Ruten geschlagen war. Sie ließen mich aber wieder nieder, und als ich lange nicht antwortete, begossen sie mich mit Wasser, denn sie besorgten, ich möchte in Ohnmacht fallen; in eben der Weise hatten sie mich auch begossen, als ich in die Höhe gewunden war; als ich nun mich widersetzte und lange nichts redete, sagte der Schultheiß: Du willst es nicht sagen, ich will es dir sagen, du hast bei Steven Claeß geschlafen. Adrian: Das ist wahr. Schultheiß: Du bist mit sechs deiner Freunde vor dem Gefängnis gewesen und hast die Gefangenen ermahnt, dass sie tapfer streiten und bei ihrem Glauben bleiben sollten; auch hast du für sechs Stüber ein Boot gedungen, und wer war der Knecht, dem das Boot zugehörte, und der Knecht, der in dem andern Boote war, dem der Schiffer einen halben Stüber gab und ihm seine Kiste verdung, weil er mit dir fahren wollte? Auch wusste er des Knechtes Namen, ebenso was wir getan hatten, und dass eine Frau mit uns gewesen sei, dass wir gelesen hätten, und dass zwei mit bloßem Haupte dabei gewesen und wo wir ausgestiegen wären; ich sagte hierauf, dem sei so, worauf sie diese Aussage niederschrieben; ich entschuldigte zwar zwei von denen, die in dem Boote gesessen hatten, aber es half ihnen nichts, es blieb dabei. Hierauf zeigten sie mir vier oder fünf Briefe; ja, sagte ich, ich habe sie geschrieben. Hierauf sagten sie: Dieser ist der Befehlschreiber; solches ziemt sich nicht, sagten die Ratsherrn, dass du den Kaiser so gering machst. Darauf sagte ich, ich mache den Kaiser nicht gering; wie groß aber der Kaiser ist, so ist doch der oberste Kaiser noch größer. Bringt mir eine Bibel und ich will euch zeigen, was ich geschrieben habe. Sie sagten darauf: Warum hast du diese Briefe geschrieben? Ich entgegnete: Ich habe sie geschrieben, weil es mich jammerte, und damit ihr eure Finger nicht mehr mit Blut besudeln, sondern Buße tun mögt, wie die von Ninive taten. Das wart ebenfalls aufgezeichnet; ferner fragten sie, was ich von dem Sakramente des Altars hielte; ich sagte, dass es nichts nütze. Frage: Wie lange bist du nicht dort gewesen? Antwort: In vier Jahren nicht. Frage: Hast du dich schon lange zu diesem Glauben bekannt? Antwort: Nein. Frage: Warum gingst du nicht dazu? Aus Unverstand wusste ich wohl, dass es nichts taugt. Da machten sie sich davon. Sie waren mit mir von acht Uhr bis zu halb zwölf des Mittags beschäftigt.

Dieses habe ich davon geredet, liebe Freunde, verzagt nicht, obwohl es etwas scharf geschrieben ist; der Herr hilft den Seinen; hätte mir der Herr nicht geholfen, es wäre mir nicht möglich gewesen, es zu ertragen; aber wir können alles durch den, der mich mächtig macht, welcher ist Christus. Und gleichwie des Leidens Christi viel über uns kommt, so kommt auch viel Trost durch Christum.

Hiermit will ich schließen; ich trage die Malzeichen (wovon Paulus spricht) an meinem Leibe.

Am Sonntagmorgen kamen sie und lasen mein Verhör ab und fragten, ob dem so wäre. Da fiel mir in den Sinn, dass der Prophet sagt: Es sind Wölfe am Abend, die bis an den Morgen nichts übrig lassen, ja die mit Füßen schnell laufen, unschuldiges Blut zu vergießen. Ich sagte darauf zum Schultheiß, ob er noch nicht satt wäre vom unschuldigen Blute, weil er auf dem Wege der Ungerechtigkeit so fleißig war; er sagte darauf: Ich töte euch nicht. Ich erwiderte: Des Kaisers Befehl tötet uns, aber du solltest dann mit dem, das du hast, zufrieden sein und nicht nach mehr fragen. Womit willst du beweisen, dass du uns mit Recht tötest? Es steht geschrieben: Sündiget dein Bruder an dir, so bestrafe ihn zwischen dir und ihm allein; hört er dich nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir; hört er dann noch nicht, so sage es der Gemeinde; will er auch die nicht hören, so halte ihn für einen Heiden und öffentlichen Sünder; hier redet die Schrift nicht von Töten. Schultheiß: Wir haben eine andere Schrift, wenn Paulus sagt: Die Obrigkeit ist nicht umsonst eingesetzt, denn Gott hat sie selbst verordnet. Adrian: Ja, den Guten zum Schutze und den Bösen zur Strafe; aber es kommt mir vor, es werde das Gegenteil befolgt, dass sie den Guten zur Strafe, den Gottlosen aber zum Schutze sei. Schultheiß: Wir wollen dir wohl mit Schriften dartun, dass wir ein Recht haben, dich zu töten. Adrian: Solches könnt ihr mit dem Evangelium nicht tun. Unterschultheiß: Was weißt du, was das Evangelium sei. Adrian: Es steht geschrieben: Tue Buße und glaube an das Evangelium. Unterschultheiß: Es sind acht Evangelien geschrieben. Adrian: Ich bin mit vier dergleichen wohl zufrieden; können die mich nicht belehren, so werden mich die vier andern auch nicht belehren.

Schultheiß: Adrian Cornelius, soll man Gelehrte zu dir schicken, dass sie dich mit dem Worte des Herrn unterrichten? Adrian: Ich will mich mit des Herrn Worte unterrichten lassen. Schultheiß: Das ist wohl geredet. Adrian: Ich will nicht mit ihnen reden, es sei denn, dass es in des Rates Gegenwart und im Beisein meiner Mitgefangenen geschehe; das gefiel ihnen nicht. Hierauf gingen sie davon und der Schultheiß fuhr sofort nach Delft.

Drei Wochen später kam der Schultheiß ins Gefängnis, wo wir zu dreien saßen und fragte, ob wir nicht anfangen, überdrüssig zu werden. Wir sagten: Nein. Darauf sagte ich: Jakobus sagt: Nehmt das Leiden zum Vorbilde. Sie verwunderten sich, dass wir solches so gering achteten.

Da sagte ich zum Schultheiß: Gleichwie des Leidens Christi viel über uns kommt, so kommt auch des Trostes viel durch Christum. Schultheiß: Ich sollte denken, es würde euch solches beschwerlich fallen. Adrian: Fallt euch denn auch das Blutvergießen beschwerlich?

Er antwortete nichts; hierauf fragte er, ob man uns Gelehrte bestellen sollte. Wir sagten: Wir wollen uns allezeit mit des Herrn Worte unterweisen lassen. Schultheiß: Man wird euch mit sonst nichts unterweisen, als mit des Herrn Worte. Antwort: Wir wollen unsern Glauben allezeit um einen bessern dahingeben, damit man nicht sagen möge, wir seien halsstarrig, und dasselbe sollten unsere Widersprecher tun. Schultheiß: Dem ist so; lasst euch unterweisen, denn ihr wisst nicht, wie lange ihr noch zu leben habt. Adrian: Weißt du doch nicht, wie lange du noch hier zu bleiben hast; wir sind nun schon verlassen, so wird uns doch der Herr gnädig sein; hierbei hatte es sein Bewenden; er sagte hierauf: Man wird euch jemanden bestellen. Als er die Treppe hinunterging, riefen wir ihm nach, er sollte eine Bibel oder ein Testament mitbringen.

Den Nachmittag kam ein Pfaffe mit zwei Dienern, derselbe kam uns sehr schön vor; er legte seinen Kram aus und meinte etwas zu verkaufen, redete auch sehr angenehm, und als einer unter uns sich in Reden erging, brachte er vieles vor; darauf sagte ich: Der Herr hatte uns vor dem Sauerteige der Pharisäer und vor denen, die in langen Kleidern gehen, gewarnt. Pfaffe: Die Kleider machen es nicht aus. Darauf sagte ich, ihre Dinge wären nichts nütze, Kindertaufe, Glockenlauten, Messe und all ihr Lumpenwerk. Er antwortete, dass die heilige Taufe der Kinder Recht wäre. Ich fragte, wo dieses Recht geschrieben stände. Pfaffe: Im 1. Briefe an die Korinther, Kap. 16. Adrian: Daselbst steht: Stephanus Hausgesinde seien die Erstlinge in Achaja gewesen, die sich zum Dienste der Heiligen begeben haben; diese konnten ja keine Kinder gewesen sein; die Kinder könnten sich ja nicht zum Dienste der Heiligen begeben, sondern man muss selbst den Kindern dienen.

Er fragte uns wegen des Stockmeisters und seines Hausgesindes, ob darunter keine Kinder wären? Antwort: Nein. Pfaff: Woher weißt du das? Adrian: Es steht geschrieben: Der Stockmeister freute sich, dass er mit seinem ganzen Hausgesinde an Christum gläubig geworden war. Die Kinder können sich nicht über den Glauben erfreuen, indem sie keinen Glauben haben; da war er hiermit auch am Ende. Auf solche Weise hat er auch Lydia, die Purpurkrämerin angeführt. Pfaffe: Als ich noch jung war, hatte ich meinen Glauben so vollkommen als wohl jetzt. Adrian: Was sagtest du denn damals? Darauf antwortete er mir nichts. Sodann sagte er: Als ich geboren war, hatte ich die Hand und wusste es nicht, ebenso auch meinen Glauben, der in mir verborgen war, und die Erbsünde, die ich hatte, wurde durch die Wiedergeburt des Wassers, welche auf dem Taufsteine geschieht, hinweggenommen. Da fragte ich ihn, ob das Wasser oder Christus für ihn gekreuzigt wäre. Pfaffe: Christus. Gleichwohl suchst du die Seligkeit im Wasser; darauf schwieg er. Da fragte Dirk Janß, wo es geschrieben stände, dass man die Glocken taufen sollte. Pfaffe: Das ist von der heiligen Kirche eingesetzt worden. Auch fragte ich ihn wegen des Messehaltens, worauf derselbe antwortete, dass er Gott in leiblicher Weise in Fleisch und Blut in der Messe hätte. Ich sagte, er wäre ein Verführer. Pfaffe: Hat denn Gott nicht gesagt: Nehmt, esst, das ist mein Fleisch, und trinkt, das ist mein Blut, und so oft ihr von diesem Brote esst, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen; darüber hatten wir ein langes Gespräch.

Darauf fragte ich ihn, ob er auch wohl in 1Tim 4 gelesen hätte. Pfaffe: Ja. Ich fragte, ob er ein Testament mitgebracht hätte. Pfaffe: Ja, hier ist ein Testament in Latein. Adrian: Wir sind in keiner lateinischen hohen Schule, sondern in der hohen berühmten Schule des Evangeliums gewesen, deren Lehrmeister der Geist Gottes ist. Er sagte, er könnte es wohl in deutscher Sprache lesen; dann las er die Stelle vor, von dem Verbote ehelich zu werden und die Speise zu meiden. Ich fragte, von wem es gesprochen sei. Er entgegnete, er wüsste es nicht. Adrian: Wenn du ein Lehrer bist, so gebührt dir solches wohl zu wissen. Pfaffe: Ja, es steht von der Welt Ende. Adrian: Es wird von den letzten Zeiten gesagt, willst du nun sagen, dass solches die letzte Zeit nicht sei? Da schwieg er und sagte, er habe das Ehelichen nicht verboten, vielweniger die Speise. Wir sagten: Dein Vater hat es getan, nämlich der Papst; du aber bist mit Haman darauf aus gewesen, Befehle zu erlangen, um uns und die Unsrigen zu töten, auch hast du geholfen, dem Kaiser zehntausend Pfund Silber zu geben. Pfaffe: Ich habe es nicht getan. Adrian: Seid ihr Christen? Den Christen gebührt nicht, jemanden zu verfolgen. Pfaffe: Wir verfolgen euch nicht. Da fragte ich ihn, ob die Christengemeinde verfolge, oder ob sie Verfolgung litte? Pfaffe: Sie leidet Verfolgung. Darauf fragte ich, wo er Verfolgung litte, ob nicht wir diejenigen seien, die Verfolgung leiden. Pfaffe: Wir leiden Verfolgung vom Teufel. Da fragten wir, wo es geschrieben stände, dass man uns um unseres Glaubens willen töten sollte. Er erwiderte, es sei um der bösen Sekten willen verordnet. Wir sagten, wir hingen keiner Sekte an. Pfaffe: Man mutmaßt, es möchte mit euch so gehen. Darauf entgegnete Dirk Janß: Hängt man auch wohl einen Mann, von welchem man mutmaßt, dass er gestohlen habe, obgleich er solches nicht getan hat? Ebenso sollte man uns auch nicht töten, ehe man uns überwiesen hätte. Endlich ging der Pfaffe davon und wir hatten ihn in vielen Dingen, wovon er nichts verstand, gefangen; auch sagte ich, er sei einer von denen, die Gott durch das Beichten seine Ehre rauben, indem sie Sünde vergeben wollen; darin wurde er auch geschlagen, und ging also hinweg. Ich hoffe, wir werden unser Opfer bald miteinander verrichten.

Ach, meine lieben Freunde! Seht doch zu, dass ihr füreinander Sorge tragt und vorsichtig handelt, denn die Menschen sind sehr ergrimmt, und setzen unserem Bruder sehr nach, wo er ist. Deshalb handelt hierin etwas weißlicher, als einige unter euch tun, denn, liebe Freunde, wenn es der Herr zuließe, sie würden unbarmherzig mit ihm umgehen, wenn sie ihn hätten. Darum nehmet solches zum Besten auf, denn es sind so wenige Arbeiter in der Ernte und sorgt für diejenigen, die nun in der Ernte sind. Und ferner, liebe Freunde, wenn ihr zusammenkommt, um von des Herrn Worte zu reden, so bringt eure Zeit nicht mit unnützem Geschwätze und albernen Gedichten zu, sondern übt euch in der Gottseligkeit, damit ihr Widerstand tun könnt, wenn das böse Stündlein kommt, und alles wohl ausrichten mögt, und seid allezeit fleißig, dass ihr den geistigen Tempel bis auf des Herrn Zukunft mit Ehren aufbauet. Wer heilig ist, werde noch heiliger, wer rein ist, werde noch reiner, gleichwie Paulus an die Thessalonicher schreibt, dass es nicht nötig sei, solches ihnen zu schreiben, sondern er sagte: Sie sollten noch überfließender werden; also auch ihr, liebe Brüder. Leset die Ermahnung, die ich euch geschrieben habe, und die euch wohl gezeigt werden wird; grüßt mir alle Freunde in dem Herrn, insbesondere unsern Bruder G., welcher ein treuer Diener ist; auch grüßen ihn alle, die in Banden liegen; sie grüßen auch zugleich alle, die die Wahrheit lieben. Seid dem Herrn befohlen, und wisset, dass wir noch alle guten Mutes sind, der Herr sei allezeit gelobt.

Meine lieben Freunde, ich muss euch noch ein wenig schreiben; das Papier, das mir zuerst zu Gebote stand, war nicht groß genug, denn, geliebte Freunde, das Papier ist rar in unserer Gefangenschaft; weil aber Habakuk noch etwas Papier brachte, so schreibe ich noch etwas von einigen Sachen, die sich in unserer Gefangenschaft zugetragen haben, bis jetzt aber von mir vergessen worden sind. Als der Diener, der mich verraten hatte, uns Speise brachte, fragte ich ihn, ob ich ihm vielleicht in einigen Dingen etwas Leides getan hätte, dann bäte ich ihn um Vergebung; solches habe ich oft so freundlich zu ihm gesagt, als ich immer konnte, wie uns denn solches geboten ist; hierauf antwortete er: Du hast mir kein Leid getan, auch keiner von den Eurigen; um meiner freundlichen Anrede und Liebesbezeugung willen schämte er sich, dass er mich verraten hatte, und dass ich ihm so liebreich zuredete.

Ferner will ich noch einige Reden von dem Pfaffen anführen, welcher uns zu unterrichten kam; ich fragte ihn, ob er auch Glauben hätte. Er antwortete: Ja. Adrian: Solltest du einen Monat mit uns hier im Stocke sitzen müssen, ich denke, du würdest deinen Glauben verleugnen. Pfaffe: Vielleicht täte ich es nicht. Da fing er an, vom Glauben zu reden, und sagte, dass der Glaube unbegreiflich sei. Ich entgegnete: Ist der Glaube unbegreiflich, wie könnten wir denn selig werden? Da ward er geschlagen. Darauf redeten wir ein wenig von dem Rufe der Lehrer, und wie Paulus gesagt habe: Ein Lehrer soll unsträflich sein, und im ferneren Verlaufe der Reden, dass sie gastfrei sein sollen. Da sagte ich: Ihr sollt wohl lieber zu Gaste gehen, als jemanden zu Gaste haben und Fremde beherbergen, und, sagte ich, wenn ich zu dir käme, wolltest du mich wohl aufnehmen? Pfaffe: Vielleicht wohl. Auch redeten wir von der Kindertaufe; diese wollte er mit den Hausgenossen beweisen. Ich fragte ihn darauf, zu wem die Schrift redete: Redet sie nicht zu denen, die Ohren haben zu hören und Herzen zu verstehen? Pfaffe: Ja. Dann fragte ich ihn, ob den Kindern einige Schrift gehöre. Pfaffe: Nein. Adrian: Gehört den Kindern keine Schrift, so gehört ihnen auch die Taufe nicht. Da war er verstrickt und mit seiner Kindertaufe geschlagen. Auch redete er noch von dem Essen des Fleisches Christi, und von dem Trinken seines Blutes, wie Christus seinen Aposteln Fleisch von seinem Fleische, und sein Blut äußerlich zu trinken gegeben habe; ich erwiderte darauf, er wäre ärger als die Juden. Pfaffe: Warum? Adrian: Die Juden murrten darüber und sagten: Wie kann uns dieser sein Fleisch zu essen geben? Du aber kommst nun und willst es aufessen. Glaube gewiss, sagte ich zum Pfaffen, Christus hat diese Reden nicht in dem Sinne gesprochen, worin du sie nimmst. Summa: Er wäre gern mit Ehren fortgegangen, denn er konnte seinen Kram nicht anbringen.