2.181  Des Adrian Cornelius Ermahnung an die Freunde.

Die reiche Gnade und der Friede Gottes, unseres himmlischen Vaters, der uns durch das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung des Heiligen Geistes gereinigt hat, hat uns einen klaren Schein in unsere Herzen gegeben, und die Augen des Verstandes durch die Hoffnung des Evangeliums geöffnet, und hat uns gewarnt, dass wir das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste verleugnen und in dieser Welt züchtig, gerecht und gottselig leben sollen, dass wir uns von dieser Welt vor Gott dem Vater unbefleckt halten sollen, welcher will, dass alle Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, dass wir zur Zeit der Offenbarung Hoffnung und Trost haben mögen, und unter die Zahl der Auserwählten gezählt werden. Hierzu mache euch tüchtig der Vater und sein gesegneter Sohn, Jesus Christus, nun und zu allen Zeiten, bis in Ewigkeit, Amen.

Wir Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, gebaut auf den Grund der Apostel und Propheten, wovon Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau aneinanderhängt, und zum heiligen Tempel in dem Herrn wächst. Heil sei den zwölf Geschlechtern, die durch die Grausamkeit der Befehle und die strenge Verfolgung überall zerstreut sind. Darum, meine lieben Brüder und Schwestern, lasset es euch nicht verdrießen, dass ihr nun eine Zeitlang leidet, und von einer Stadt zur andern fliehen müsst, gedenkt, meine lieben Freunde, dass es euch alles zur Seligkeit dient, und nehmt Tobias mit seinem Weibe und seinem Sohne zum Vorbilde, wie er flüchtig werden musste und man ihn heimlich verbarg; desgleichen Mathatias mit seinen Söhnen und denen, welche ihn liebten, wie er sagt: Wer nun fromm ist und wohlgemut, der mache sein Testament und folge mir nach. Nehmt euch Abraham, Isaak und Jakob zum Vorbilde, die in Hütten wohnten, und noch andere mehr; denn wir haben hier keine bleibende Stätte. Sie gingen in Schafs- und Ziegenfellen umher und hatten Mangel, Trübsal und Ungemach, deren die Welt nicht wert war. Sehet, meine geliebten Freunde, denkt nicht, dass ihr allein seid, oder dass ihr von dem Herrn verlassen seid, wenn euch ein Sturmwetter überfällt, sondern bedenkt, dass wir durch viele Leiden das Reich Gottes einnehmen müssen. Hätten die Vorgemeldeten das gemeint, so hätten sie, nachdem sie ausgezogen waren, ja Zeit, wieder umzukehren; aber diese geben zu verstehen, dass sie ein Vaterland suchen, eine Stadt, die einen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Darum hat sich auch Gott nicht geschämt, ihr Gott genannt zu werden. Also auch, meine lieben Freunde, wird er sich unserer nicht schämen; denn er spricht durch seinen frommen Propheten Jesaja: Kann auch eine Mutter ihr eigenes Kind verlassen, welches sie selbst geboren hat? Und wenn sie auch dessen vergäße, so wird dich doch Gott nicht vergessen. Darum schauet an, wie der gnädige Vater mit allen frommen Kindern Gottes gewesen sei, und wie Er sie durch seine starke Hand bewahrt und erhalten habe, wie wir bei Abraham klar sehen mögen, denn Gott hat ihn oft getröstet, als er in ein fremdes Land auszog. Er stärkte Jakob, als er vor Esau, seinem Bruder, floh; Er speiste Hiskia drei Tage und drei Nächte, welcher über die Lästerung Sanheribs klagte; Er erlöste die Juden durch Judith, die von Holofernes belagert waren; Er erlöste die drei Jünglinge von der Hitze des feurigen Ofens, auch war Er in der Grube bei Daniel, dass die Löwen ihn nicht zerrissen; Er erlöste Israel aus des Pharao Dienstbarkeit; Er erlöste Rahab aus dem Schatten des Todes; Susanna erlöste er durch Daniel; Petrus erlöste Er aus dem Kerker; Johannes erlöste er von der Insel Patmos; Paulus tröstete Er durch ein Gesicht, als er nach Damaskus reiste; die Apostel tröstete er durch den Tröster, den Heiligen Geist; Er verwandelte Josephs große Traurigkeit in Ägypten in große Freude. Also wird Gott euer aller Herzeleid in große Freude verwandeln, wie Er selbst sagte: Die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet traurig und betrübt sein; doch seid getrost, eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. Ein Weib, wenn sie gebiert, hat Traurigkeit, aber wenn sie das Kind geboren hat, so gedenkt sie der Traurigkeit nicht mehr, weil der Mensch zur Welt geboren ist; also auch ihr habt nun Traurigkeit, aber ich will euch wieder sehen, und eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt weiden, und diese Freude soll niemand von euch nehmen.

Darum fürchtet euch nicht, meine lieben Freunde, vor den Menschenkindern, welche wie Heu vergehen; fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch sein Reich zu geben; fürchtet euch nicht, meine lieben Freunde, vor dem tyrannischen Geschlechte; fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten; aber ich will euch zeigen, vor wem ihr euch fürchten sollt; fürchtet den, welcher, nachdem ihr tot seid, Macht hat, ins ewige Feuer zu werfen. Auch ist, meine lieben Freunde, das wenige Leiden und Trübsal hier sehr gering gegen die ewige Pein oder Strafe. Aber Johannes in der Offenbarung sagt also: Fürchtet Gott und gebt Ihm Ehre. Und der Prophet Esdras sagte also: Siehe, Gott ist Richter, fürchtet ihn und lasst ab von euren Sünden, und vergesset jetzt eurer Ungerechtigkeit, dass ihr dieselbe nicht in Ewigkeit treibt und Gott wird euch ausführen und von aller Trübsal erlösen. Siehe, es wird über euch der Grimm einer großen Menge angezündet, und sie werden einige von euch wegführen und die Erschlagenen mit Götzenopfer speisen und diejenigen, welche ihnen nicht Beifall geben, werden von ihnen verlacht, gehöhnt und zertreten werden, denn es wird große Empörung wider die umliegenden Städte wegen derjenigen, die Gott fürchten, entstehen, und sie werden wie unsinnige Menschen sein indem sie niemanden verschonen und diejenigen wegführen und vertilgen, die noch Gott fürchten; sie werden deren Güter verwüsten und rauben, und sie aus ihren Häusern verstoßen. Alsdann wird die Bewährung der Auserwählten offenbar werden, gleichwie das Gold, welches durch das Feuer bewährt wird. Darum meine Auserwählten, sehet, die Tage der Trübsale sind vorhanden und der Herr wird euch davon erretten. Ihr sollt euch weder fürchten noch Wanken, denn Gott ist euer Herzog. Der Herr wird euch nicht als Waisen lassen, denn Er sorgt für alle. Er wird uns bewahren wie seinen Augapfel. Darum lasst nicht nach um unserer Trübsal willen, die über uns gekommen ist, denn wenn ihr dem Herrn treu bleibt, so wird euch das Ungewitter bald überfallen; aber bedenket, meine lieben Freunde, dass gleichwie des Leidens Christi viel über uns kommt, so kommt auch der Trost reichlich durch Christum. Denn kein Auge hat gesehen und kein Ohr hat gehört, es ist auch in keines Menschen Herz gekommen, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben. Wer nun solche Hoffnung in sich hat, der reinige sich selbst, gleichwie er rein ist und sondere sich von dem unartigen Geschlechte ab; habe auch keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern bestrafe sie vielmehr, denn was heimlich von ihnen geschieht, das ist auch schändlich zu sagen, was aber vom Lichte bestraft wird, das ist Licht; darum sagt Er: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf, von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. Darum, meine lieben Freunde, wenn noch einige unter euch wären, die träge oder schläfrig sind, so lasset dieselben aufwachen, oder sie werden mit den törichten Jungfrauen ausgeschlossen werden. Ach, meine lieben Freunde, es wird euch nichts nützen, dass einige unter euch verstehen, welches der Weg sei. Ach, meine lieben Freunde, das Wissen bläht auf, aber die Liebe erbaut; denn es nützt nichts, dass man den Weg versteht, sondern man muss darauf wandeln, und wenn er auch enge, schmal und voller Arbeit ist, so will er doch gewandelt sein. Darum, meine lieben Freunde, die ihr des himmlischen Rufes teilhaftig geworden seid, nehmt die Zeit der Gnaden wahr und seht nicht auf diejenigen, die kalt und träge wandeln, sondern trachtet darnach, dass ihr durch die enge Pforte eingehen möget, denn viele werden darnach trachten, wie sie hineinkommen und werden es nicht tun können. Wie aber das, meine lieben Freunde? Darum, weil sie durch einen andern Weg einzugehen suchen, welcher uns nicht geboten ist, als derjenige, welcher durch Christum hineingeht, denn Er ist der Weg. Diese sind es, die die Stadt ererben werden, welche der Bräutigam an die Tafel setzen und ihnen dienen wird; aber, meine lieben Freunde, die Lauen, die weder kalt noch warm sind, wird Gott aus seinem Munde ausspeien, die da sagen, dass sie reich seien und haben gar satt; wissen aber nicht, dass sie arm, jämmerlich, nackend und blind seien. Darum kommt Salomo und sagt: Gehe hin zur Ameise, du Fauler, siehe ihre Weise an; sie bereitet ihr Brot im Sommer, dass sie im Winter zu zehren habe. Auch kommt der Prophet Jeremias und sagt also: Die Kraniche und Schwalben merken auf ihre Zeit, wenn sie wiederkommen sollen, aber mein Volk merkt nicht auf die Zeit. O ihr Unwissenden! Der Ochse kennt die Krippe seines Herrn. Ihr, die ihr sagt, es wird morgen schönes Wetter sein, und es geschieht also. O ihr, die ihr die Gestalt des Himmels und der Erde beurteilen könnt, könnt ihr denn nicht unter euch beurteilen, was recht ist. Darum, meine lieben Freunde, sehet zu, dass nicht jemand unter euch träge erfunden werde, sondern seid aufgeschürzt und habt den Stock in der Hand um das Osterlamm zu essen, denn wir haben ein Osterlamm zu essen, welches Christus ist. Darum lasset uns nun Ostern halten, nicht im alten Sauerteige, auch nicht im Sauerteige der Bosheit, sondern in dem Süßteige der Lauterkeit und Wahrheit.

Darum, meine herzlich geliebten Freunde, verwundert euch nicht, wenn ihr durch das Feuer der Trübsal versucht werdet, als ob euch etwas Neues widerführe, sondern werdet des Leidens Christi teilhaftig, damit ihr in der Zeit der Offenbarung Hoffnung und Trost haben mögt. Niemand leide unter euch als ein Dieb oder Mörder; leidet aber jemand als ein Christ, so schäme er sich nicht, sondern preise Gott in dieser Sache, denn es ist Zeit, dass das Gericht am Hause Gottes anfange, wenn aber zuerst an uns, was will es für ein Ende mit denen nehmen, die dem Evangelium Jesu Christi ungehorsam sind? Und so der Gerechte kaum wird erhalten werden, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? Darum sagt Salomo: Da der Gerechte auf Erden leiden muss, wie viel mehr der Sünder und Gottlose?

Darum, meine lieben Freunde, seht euch vor, fliehet den Schatten dieser Welt. Meine lieben Freunde, trachtet nicht darnach, in andere Länder zu ziehen, um dem Kreuze zu entfliehen, oder große Freiheit zu erlangen. Ach nein, meine lieben Freunde, sondern beugt euch allezeit unter das Kreuz, denn die Kinder, welche unter der Rute sind, sind so gehorsam, dass sie sich immer fürchten, ihr Herr möchte kommen und sie schlafend finden, und darum sind sie immer fleißig, damit sie nicht schlafend gefunden werden; denn wenn das Fleisch nur ein wenig Freiheit erlangt, so nimmt es sich selbst noch mehr. Meine lieben Freunde, ich bin so keck gewesen, solches an euch zu schreiben; nehmt solches zum Besten auf; ich bin zwar euer Herr nicht in dieser Sache, aber ich schreibe, wie mein eigenes Fleisch mir Zeugnis gibt. Darum, meine lieben Freunde, wandelt weislich unter denen, die draußen sind; bleibt unter dem zerstreuten israelitischen Häuflein, denn wo Blut vergossen wird, da kann man Gewinn machen; wuchert daselbst mit eurem Pfunde, ein jeder nach der Gabe, die er von Gott empfangen hat; begegnet einander mit Ehrerbietigkeit, befleißigt euch, dass ihr euch selbst als geübte Diener Gottes zeigt; legt alle List und Heuchelei von euch und seid nach der lautern unverfälschten Mich begierig, wie neugeborene Kindlein, dass ihr dadurch aufwachset; wenn ihr anders geschmeckt habt, wie freundlich der Herr ist. Zu welchem ihr gekommen seid, als zu dem lebendigen Steine, so bauet euch auf zum geistigen Hause, zum königlichen Priestertume, zum heiligen Volke, zum Volke des Eigentums, damit ihr die Tugenden desjenigen verkündigt, der euch als gehorsame Kinder berufen hat. Der da redet, der rede mit Gottes Wort; verrichtet euren Dienst weislich, damit euer Schatz nicht gelästert werde. Und gleichwie ihr vormals fleißig gewesen seid von Gott abzuirren, so wendet nun um desto mehr Fleiß an, euch zum Herrn zu bekehren, und seid darin ohne Grenzen. Tut allen Menschen Gutes, besonders aber den Glaubensgenossen, und seht zu, dass ihr in eurem Glauben Tugend erweiset, in der Tugend Bescheidenheit, in der Bescheidenheit Mäßigkeit, in der Mäßigkeit Gottseligkeit, in der Gottseligkeit brüderliche Liebe, und in der brüderlichen Liebe allgemeine Liebe; wenn ihr alles dieses besitzt, so wird es euch in der Erkenntnis des Herrn weder leer, noch unfruchtbar sein lassen; wer aber dieses nicht hat, der ist blind und tappt nach dem Wege, und vergisst die vorige Reinigung seiner Sünden. So soll es nicht bei euch sein, meine Freunde; macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, und wenn ihr der geistigen Güter teilhaftig seid, so macht euch auch untereinander der zeitlichen Güter teilhaftig; lasset solches ordentlich zugehen und bedenkt, dass es seliger ist zu geben als zu nehmen, denn wir lesen Joh 6, dass einige dem Herrn nachfolgten, der aber sagte: Ihr folgt mir nicht, weil ihr die Zeichen gesehen, sondern weil ihr von dem Brote gegessen habt und satt geworden seid.

Darum, meine lieben Freunde, wirket nicht Speise, die vergeht, sondern die bleibt ins ewige Leben, denn der Mensch lebt nicht allein vom Brote, sondern von einem jeden Worte, das aus dem Munde des Herrn geht; die Speise gehört dem Bauche, und der Bauch der Speise, aber Gott wird den Bauch und die Speise vernichten. Deshalb, meine lieben Freunde, wenn ihr euch nach dem Evangelium richten werdet, so werdet ihr fruchtbare Reben an dem wahrhaftigen Weinstocke Christo und liebliche Ölzweige sein, welche auf Christum gepfropft sind. Meine lieben Freunde, lasst euch nicht durch die Feinde des Kreuzes Christi zum Abfall bewegen; glaubet denen nicht, welche das Evangelium ohne Kreuz predigen wollen, denn es sind diejenigen, die euer Fleisch lieben und eure Seele töten; es sind diejenigen, welche Kissen unter die Arme oder unter die Häupter legen; sondert euch ab von solchen, denn solche dienen nicht dem Herrn Jesu Christo, sondern ihrem Bauche und verführen die einfältigen Herzen durch süße Predigt und schmeichelnde Worte, denn uns ist nicht unbewusst, was der Teufel im Sinne hat, indem der Teufel sich in einen Engel des Lichtes verwandeln kann; was ist es also für ein Wunder, dass seine Diener auch von außen diese Gestalt an sich haben? O meine lieben Freunde, ein Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu morden; darum hütet euch, dass ihr von ihnen nicht verführt werdet und aus eurer eigenen Festung fallt. Darum, halte, was du hast, dass dir niemand deine Krone nehme, und wer steht, sehe zu, dass er nicht falle, denn was hast du, das du nicht empfangen hast, indem alle geistigen und vollkommenen Gaben von oben herab, von dem Vater des Lichtes kommen, bei welchem weder Veränderung nach Wechsel des Lichts und der Finsternis ist.

Darum ermahnet einander, meine lieben Freunde, alle Tage umso mehr, weil der Tag Christi herannaht, und das, solange als es heute heißt. Seht doch zu, dass ihr füreinander Sorge tragt, und fragt nicht viel, meine lieben Freunde, nach andern, wenn ihr zusammenkommt, oder wo ein jeder wohnt, sondern seid in solchen Dingen unweise, und seid Kinder in der Bosheit, alt und Greise aber in dem Verständnis; bewahrt auch die Türe eures Mundes vor derjenigen, die in euren Armen liegt. Meine lieben Freunde, habt ihr Verstand, so antwortet eurem Nächsten, ist das aber nicht, so sei eure Hand auf eurem Munde, damit ihr nicht durch ein unmanierliches Wort gefangen und so zu Schanden werdet. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Munde gehen, sondern redet was nützlich zur Besserung ist, dass es nötig und holdselig sei zu hören, und betrübt auch nicht den heiligen Geist Gottes, durch welchen ihr auf den Tag der Erlösung versiegelt seid. Meine lieben Freunde, hiermit hoffe ich meinen Abschied zu nehmen; haltet es mir zugut, dass ich euch ein wenig geschrieben habe; ich hoffe, es werde euch erbaulich sein. Ich habe auch allen Fleiß auf diese kleine Gabe verwandt, die mir der Herr gegeben hat.

Von mir, Adrian Cornelius, Glasmacher, eurem unwürdigen Bruder, der ich nicht wert bin, ein Bruder zu heißen. Geschrieben in meiner Gefangenschaft, als ich mit zwei Mitgenossen und einem Dritten, der jedoch von uns abgesondert war, sowie mit zwei Schwestern, welche in einem unterm Zimmer liegen, im Stocke saß; wir warten alle Tage auf unseres Leibes Erlösung. Ich hoffe auch, dass wir die Hälfte unserer Pilgerschaft schon zurückgelegt und das Übrige bald vollendet haben.

Seid dem Herrn anbefohlen, liebe Brüder. Gedenket der Gefangenen, wir gedenken eurer in unseren Gebeten. Grüßet alle Liebhaber der einigen Seligkeit mit Namen; die Zeit ist nun zu streng, um zu schreiben, darum richten wir uns nach der Zeit.

Wisset, wie es uns neulich ergangen ist. Des Sonntags kam ein Pfaffe zu uns, als wir Montags darauf geopfert werden sollten, welcher uns sagte: Ihr müsst sterben. Antwort: So taten auch die Juden und sagten: Wir haben ein Gesetz, danach muss er sterben. So müssen auch wir, wie solches des Kaisers Befehl ausweist. Aber wir haben den Pfaff gefragt, ob ihre Dinge richtig wären. Er antwortete uns: Nicht alle, denn wir haben auch Missbräuche in unsern Kirchen. Da sagten wir: Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig; worauf er uns zur Antwort gab: Und doch muss er Sauerteig haben. Daran kann man merken, dass ihre Dinge nicht gut sind; aber hütet euch vor solchen, denn sie sind nicht von Gott gesandt. Grüßet alle Liebhaber des Wortes Gottes.