2.180  Ein Gebet, eine Ermahnung und Bekenntnis des Adrian Cornelius.

Ein Gebet, eine Ermahnung und Bekenntnis des Adrian Cornelius, Glasmacher, welcher zu Leyden gefangen gelegen und daselbst um des Zeugnisses Jesu willen, wie zuvor berichtet worden ist, im Jahre 1553 getötet worden ist.

Sein Gebet zu Gott

O Herr des Himmels und der Erde, der Du alles aus nichts gemacht, der Du mir das Leben nach dem Bilde deines Sohnes gegeben hast; ich hoffe jetzt dasselbe um deines heiligen Namens willen aufzuopfern, denn du bist der Herr, vor dem sich alle Knie beugen, die im Himmel und auf Erden sind. Erhöre mein Gebet und laß mein Rauchwerk Dir angenehm sein. Nimm deine Gnade nicht von mir, der ich ein befleckter Mensch bin, von unreinen Lippen; reinige meinen Mund, dass dein Name dadurch gepriesen werden möge, neige deine Ohren zu mir, so wirst du diejenigen anschauen, die mich überfallen; aber es ist mir lieber, in der Menschen Hände zu fallen, als vor deinem Angesichte zu sündigen; denn deine Augen sind wie eine Feuerflamme und dein Wort wie ein zweischneidiges Schwert, welches an beiden Seiten scharf ist und durchdringt, bis es Seele und Geist, auch Mark und Bein scheidet, und ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens ist, vor welchem keine Kreatur unsichtbar ist. Darum rufe ich mit David, deinem lieben Propheten, aus, dass es besser ist, in der Menschen Hände zu fallen, als in deinen Zorn. O Herr! Führe mich in das Land Harun, in welchem ich nicht einen Fuß Erbteil habe, nämlich in das Land der Verheißung; dies wollest Du mir aus Gnaden geben und nicht nach meinem Verdienste oder meinen Werken. Erlöse mich mit Lot von diesem Geschlechte, bewahre mich, Herr, vor den grimmigen Löwenzähnen, deren viele sind, ja vor den grimmigen Wölfen am Abend, die nichts bis an den Morgen übrig lassen, die mit ihren Füßen schnell laufen um unschuldiges Blut zu vergießen. O Herr, bewahre mich mit Sadrach, Mesach und Abednego, dass mir das Feuer der Lästerung, welches aus ihrem Munde geht, nicht schaden möge. O Herr! Laß mein Gebet mit Tobias und Sarah erhört werden; erhöre mein Gebet mit Elia, und nimm mich zum Brandopfer, welches lebendig, heilig und dir wohlgefällig sei, damit die Propheten Isabels zu Schanden werden und dein Volk nicht länger verführen. Herr, bewahre mich mit Joseph vor diesem bösen Weibe, dass ich lieber meinen Mantel fahren lasse, nämlich meinen ersten Leib, denn es heißt: Wer einer Hure anhängt, der ist ein Fleisch mit ihr. Bewahre mich, Herr, denn ich rufe Himmel und Erde zu Zeugen, dass ich in meiner Unschuld sterbe: Wer sein Leben hier zu erhalten sucht, der wird es verlieren, und wer sein Leben um des Herrn und des Evangeliums willen verliert, der wird es erhalten. Darum rufe ich auch mit dem alten Eleazar: Ich will lieber sterben, als mit Schanden leben. O Herr, siehe, es ist der Grimm einer großen Menge über uns angezündet, und sie werden einige unter uns hinwegführen, und die Erschlagenen mit Götzenopfer speisen; aber der Herr bewahrte mich. Du gibst deinem Knechte Brot in der Not und Wasser im Durste; zur Zeit der Trübsal vergibst du die Sünden, hast auch zu deinen lieben Propheten gesagt: Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, dass sie sich nicht über den Sohn ihres Leibes erbarme, und wenn sie desselben vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen; solches ist dein Wort, Herr, Du hast es durch deinen lieben Apostel Paulus geredet: Gehet aus von dem bösen Geschlechte und rührt kein Unreines an; alsdann willst Du uns annehmen und unser Vater sein, und wir werden deine Söhne und Töchter sein. Nun gehen wir auch mit zum Lager hinaus und wollen deine Schmach tragen helfen. Herr, lehre uns nach deinem Willen bitten, dass wir im Geiste und in der Wahrheit bitten mögen, dass wir dich einen rechten Vater nennen, denn ein Sohn soll seinen Vater ehren, und ein Knecht seinen Herrn. Laß uns des Wortes teilhaftig werden, wenn gesagt wird: Diese sind es, die ihr Leben nicht geliebt, sondern es zum Tode übergeben haben; denn diejenigen, welche von den Menschen getötet worden sind, haben von Gott eine bessere Hoffnung zu erwarten, dass sie nämlich werden wieder auferweckt werden. Denn Du prüfest deine Auserwählten, Du prüfest sie wie Gold im Ofen. Du nimmst sie auf als eine Aufopferung des Brandopfers. Herr, laß deinen Knecht im Frieden; heiliger Vater, heilige deinen Sohn, damit ich untadelhaft erfunden werden möge in deiner Zukunft. Bewahre mich, heiliger Vater, um deines heiligen Namens willen, Amen.