2.157  Johannes Bair.

Im Jahre 1528, am Mittwoch nach Allerheiligentag, ist der Bruder Johannes Bair von Lichtenfels um des Glaubens und der göttlichen Wahrheit willen gefangen gesetzt worden, und hat zu Bamberg im Frankenlande in einem Turme dreiundzwanzig Jahre wegen seiner Standhaftigkeit in der Gefangenschaft zugebracht, wie aus nachfolgendem Briefe, welchen er an die ältesten Brüder der Gemeinde geschrieben hat, zu ersehen ist:

Liebe Brüder! Die Schreibtafel habe ich empfangen, wie auch die Rechenschaft unseres Gottesdienstes, unserer Lehre und unseres Glaubens, dazu sechs Lichter oder Kerzen und Federn; die Bibel aber insbesondere habe ich nicht empfangen, wie ich vorn in der Tafel auch bemerkt habe; aber das ist noch meine Bitte, dass ihr mir dieselbe, wenn sie noch vorhanden ist, schicken wollet; ich hätte sie vor allen Dingen sehr gern, wenn es nach dem Willen Gottes geschehen könnte; denn ich bedarf ihrer sehr und leide großen Hunger und Durst nach dem Worte des Herrn schon so manches Jahr; solches sei zu Gott und seiner Gemeinde geklagt, denn die Zeit meiner elenden Gefangenschaft besteht aus vollen zwanzig Jahren, weniger acht Wochen; am Mittwoch nach Allerheiligen jährt es sich. Ich, Johannes Bair, von Lichtenfels, der ich ein Elender der Elendigen, ein Verlassener der Verlassenen und in Jesu Christo, unserm Herrn, gefangen bin, klage dieses abermals Gott und seinen Engeln, wie auch allen seinen Arbeitern, Kirchen und Gemeinden. Nun, meine herzallerliebsten Brüder und Schwestern in dem Herrn; bittet Gott für mich, dass er mich aus dieser Gefahr und großen Not erlösen wolle, aus der Not, welche unaussprechlich ist, das weiß Gott und ich Armer, und ihr wisset es auch mit mir; hiermit Gott befohlen. Geschrieben zu Bamberg, in einem finstern Loche, im Jahre 1548.

Nach diesem Schreiben hat er noch drei Jahre, also 23 Jahre, gefangen gesessen; nach Ablauf dieser Zeit ist er im Jahre 1551 im Gefängnis mit fröhlichem Herzen im Herrn entschlafen und hat die Marterkrone erlangt.