2.154  Gillis und Elisabeth.

Im Jahre 1551, den 21. Juli, wurden zwei fromme Christen, ein Bruder, genannt Gillis, und eine Schwester, genannt Elisabeth, nach des Kaisers Befehle, zu Gent in Flandern als Ketzer zum Tode verurteilt, worauf man sie vorführte, um sie zu töten, jedoch nicht zur gewöhnlichen Zeit, sondern des Nachmittags um 1 Uhr. Als sie auf die Schaubühne kamen, haben sie ihr Gebet zu Gott verrichtet; unterdessen hat der Scharfrichter die Schnur des Rockes aufgelöst, so dass sie nichts anhatte als das Hemd und leinene Hosen, welche sie der Scharfrichter aus Spott hatte anziehen lassen; hierüber hat sie sich sehr geschämt, ist sofort zum Pfahle getreten und hat gesagt: Ich danke Dir, o Herr, dass ich würdig bin, um Deines Namens willen zu leiden; ich stehe nun an dem Prüfsteine, woran die Auserwählten Gottes geprüft werden; o Herr, stärke mich und zögere nicht. Gillis sagte: Liebe Schwester, sei geduldig in deinem Leiden, und tröste dich in Gott; er wird dich nicht verlassen. O lieber Bruder, sagte sie, ich will nimmer von ihm weichen.

Da rief Gillis: O Herr, vergib denen die Sünde, die mir den Tod antun, denn weil sie dich nicht kennen, so wissen sie nicht, was sie tun; endlich riefen sie: O himmlischer Vater! In deine Hände befehlen wir unsern Geist, und haben also im Feuer ein selig und Gott wohlgefälliges Ende genommen.