2.12  Thomas Hermans, und später noch siebenundsechzig, im Jahre 1527.

Im Jahre 1527 wurde Thomas Hermans gerichtet, ein Diener des Evangeliums und des Wortes Gottes. Nachdem nämlich einige Personen zu Kitzpil gefangen genommen worden und aus Furcht vor der Tyrannei der Obrigkeit von der Wahrheit wieder abgefallen sind, aber dessen ungeachtet von derselben vor vielem Volke auf einen öffentlichen Platz gestellt wurden, wo ihnen die andern, um sie kleinmütig zu machen, mit vielen Lästerworten zugerufen: Ei, wie fein lassen nun eure Hirten und Lehrer ihr Leben für euch? – ist der genannte Thomas Hermans durch das Volk gedrungen, hervorgetreten und hat freimütig gesagt: Dies ist die Wahrheit, die ich euch gelehrt habe und ich will solches mit meinem Blute bezeugen. Hierauf ist er ohne Verzug gefangen genommen, gepeinigt, zum Feuer verurteilt und verbrannt worden. Er dichtete und sang ein Lied, als er hinausgeführt wurde, welches noch vorhanden ist. Sein Herz konnte man nicht verbrennen; zuletzt haben sie es in die See geworfen, welche in der Nähe des Richtplatzes war. Nach ihm sind an diesem Orte siebenundsechzig seiner Glaubensgenossen gerichtet worden. Der Richter zu Kitzpil, welcher viele derselben hat verurteilen und töten helfen und der sie sowohl vorher als nachher um ihres Glaubens willen Ketzer nannte, ist später, durch Gottes Verhängnis in eine entsetzliche Schande geraten, dass er selbst als Ketzer erfunden und von allen Menschen mit Recht dafür gehalten wurde, was jedoch nicht um des Glaubens willen geschehen ist, sondern weil ihn Gott in solche Schande hat fallen lassen, dass er auch vor der Welt in große Schmach und Unehre kommen musste.

Auch ist die Rache Gottes über den Stadtschreiber zu Kitzpil gekommen, der nicht wenig dazu beigetragen, dass dieses unschuldige Blut vergossen worden, indem er gesagt, er wolle sein Haupt nicht eher sanft niederlegen, bis er diese Leute hätte ausrotten helfen. Als er nämlich im Winter auf einem Schlitten in der Stadt herumfuhr und mit demselben umwenden wollte, hat ihn das Pferd an eine Mauer und an eine Eiche in der Straße geworfen, so dass ihm die Hirnschale zerschmettert worden ist; er hat also sein Haupt nicht sanft niedergelegt, sondern ein erschreckliches Ende genommen, wie die Brüder Hans Kitzpiler und Christian Harina bezeugt haben.