2.136  Theunis von Haustelrath, 1550.

Dieser Theunis von Haustelrath war in der Furcht des Herrn ein eifriger und emsiger Mann, dem Herrn mit dem Pfunde, welches er ihm anvertraut hatte, etwas zu gewinnen und viele Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit zu bringen, auch diejenigen, welche die Wahrheit angenommen hatten, darin zu stärken. Als er nun die Gemeinde Christi auf solche Weise in aller Treue regiert und bedient hatte, ist er zuletzt gefangen genommen und zu Limmit, einer Stadt im Jülicher Lande, ins Gefängnis gelegt worden, wo er mit vielen spitzfindigen klugen Geistern manchen harten Streit hatte und dort, um seines Glaubens willen, viele Marter erlitten und ertragen hat. Der wichtigste Streit, den er führte, handelte sich um die Kindertaufe und das Sakrament, worin er mit den Papisten nicht einig war. Als er von ihnen weder überwunden noch abwendig gemacht werden konnte, sondern sich fest an die Wahrheit hielt, ist er zuletzt zum Feuer verurteilt worden. Also führten sie ihn zur Stadt hinaus aufs Feld und verbrannten ihn dort, um das Jahr 1550, zu Asche. Als er noch im Gefängnisse war, hat er seinen Brüdern und Schwestern eine trostreiche Ermahnung aufgesetzt und ihnen dieselbe aus dem Gefängnisse zugesandt und hinterlassen, welche wie folgt lautet:

O Gott! Gib mir in meinem großen Leiden, dass ich unaufhörlich zu dir eindringen möge und weder irgendeine Pein noch den Tod fürchte; ja, lieber Herr, darum bitte ich Dich, der Du Gott über alle Dinge bist, dass ich nicht durch alles dasjenige verstrickt werden möge, was mir noch zustoßen wird und soll, und was mir mit Christo zu leiden um meiner Seligkeit willen obliegt, denn ich weiß, dass die Krone des Lebens denen zubereitet ist, die darin beharren. Darum, o ihr Frommen, verzaget ja nicht, sondern wendet euch ernstlich zu eurem Hauptmanne, Christus, denn Er kann den Sieg erhalten; derselbe wird am jüngsten Tag mit Feuerflammen kommen und ein strenges Gericht über alle Gottlosen halten. Dann wird Er zu seinen Schafen, die zu seiner rechten Hand stehen, sagen: Kommt, ererbet das Reich meines Vaters, das euch von Anfang der Welt her bereitet ist. O ihr Christen alle, werfet doch von euch alles, was euch beschwert, stehet mit aufgeschürzten Lenden und wartet auf den Herrn. Seid ihr gerecht, so werdet noch gerechter, denn glaubet mir, ihr werdet alles dessen noch benötigt sein. O ihr Glieder Christi insgesamt, ich bitte euch, wachet doch einmal recht auf, damit ihr nicht schlafet, wenn der Bräutigam kommt; denn alsdann werden die Klugen zur Seligkeit eingelassen, die Törichten aber zur ewigen Verdammnis ausgeschlossen werden. Der Herr, welchem das Pfund angehört, das euch anvertraut worden ist, wird wiederkommen und scharfe Rechnung darüber halten, was ein jeder gewonnen hat. Alsdann wird man die Klugen rühmen und sagen: Kommt, gehet ein zu eures Herrn Freude; die Trägen aber wird man ihrer Schalkheit wegen bestrafen und sie in die Pein schicken. O Schäflein des Herrn, weidet euch jetzt, dass ihr zubereitet werden möget, damit ihr nicht unbereitet seid, wenn ihr zum Hochzeitsfeste kommen sollt, sonst würde der König sagen: Freund, wie bist du hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Kleid an; darüber wird der Mensch, weil er sich doch nicht verantworten kann, verstummen müssen; aber der König wird über ihn gebieten, dass man ihn in die ewige Finsternis werfe.

Werdet doch ja nicht solche, die Äcker kaufen; verkauft lieber, die ihr geladen seid, und gebt es den Armen. O, ihr lieben Brüder, erbarmt euch doch über die Armen, tröstet sie und helfet ihnen. Ich habe nun den Kampf fast ausgerungen und mein Lauf ist bald geendigt; Gott gebe mir, dass ich möge Glauben halten, so wird mir die Krone des Lebens zuteil werden. O Herr! Erwecke doch treue Knechte und setze sie über dein Hausgesinde, damit sie ihnen zu rechter und bequemer Zeit Speise geben mögen. Dies schenke ich euch, ihr frommen Christen, als einen brüderlichen Abschied zum Guten. Es ist mit treuem Herzen geschrieben, und ich hoffe es mit meinem Blute zu versiegeln.