2.118  Andreas Samuel und Dirk Pieterß, 1546.

Die Verantwortung und das Glaubensbekenntnis Andreas Samuels und Dirk Pieterß, welches sie zu Amsterdam vor den Verordneten abgelegt und im Jahre 1546 mit ihrem Tode befestigt haben.

Gesegnet sei Gott der Vater unseres Herrn Jesu Christi in Ewigkeit, Amen. Höret mein Bekenntnis an, ihr Fürsten dieser Welt. Zuerst haben sie mich nach meinem Glauben gefragt, worauf ich ihnen geantwortet habe: Es kam ein Schriftgelehrter zum Herrn und fragte ihn: Meister, welches ist das größte Gebot? Und der Herr sagte zu ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit allen Kräften und deinen Nächsten wie dich selbst lieben, das ist das größte Gebot, und außer diesem ist kein anderes Gebot; und der Schriftgelehrte antwortete: Du hast in der Tat wohl geantwortet, dass ein Gott sei und dass denselben aus ganzen Herzen, aus ganzer Seele und aus allen Kräften lieben, den Nächsten aber wie uns selbst lieben, mehr sei als Brandopfer oder irgendein anderes Opfer. Sie sagten darauf, wir wissen, dass ein Gott sei; glaubest du aber auch, wenn der Priester vor dem Altare steht, dass Gott unter seinen Händen sei? Hierauf habe ich mit nein geantwortet. Stephanus sagte: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten des allmächtigen Vaters stehen. Darauf haben sie abermals gesagt: So glaubest du also nicht, dass er darin sei? Ich habe geantwortet: Ich glaube es nicht. Frage: Uns ist gesagt, dass, als euer Prediger an der einen Seite der Straße, ihr aber zu dreien an der andern Seite gewesen, ihr weder ihm noch dem Sakramente einige Ehre erwiesen hattet; ist dem also? Antwort: Ja. Frage: Warum habt ihr das getan? Antwort: Ich will es sagen, meine Herren! Der Herr sagte durch den Propheten Jesaja in seinem 2. Kap: »Sie haben ihrer Hände Werk angebetet, welche ihre Finger gemacht haben; da bücket sich das Volk, da demütigen sich die Junker, das wirst du ihnen nicht vergeben.« Frage: Hast du es um deswillen getan, weil es von Menschenhänden gemacht ist? Antwort: Ja, um deswillen, meine Herren! Damit ich dadurch meinen Herrn und meinen Gott nicht erzürnen möchte. Frage: Wie lange ist es, dass du das letzte Mal zur Beichte gegangen bist? Antwort: Wohl zwei oder drei Jahre. Frage: Warum das? Antwort: Weil der Herr gesagt hat: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Frage: Hast du solches um deswillen getan? Antwort: Ja, um deswillen. Frage: Wohlan, wie lange bist du nicht zum Sakramente gegangen? Antwort: Auch wohl in zwei oder drei Jahren nicht. Frage: Warum das? Antwort: Weil Paulus, Eph 5,27, sagt: Christus hat ihm eine Gemeinde dargestellt, die weder Flecken noch Runzeln habe, sondern dass sie heilig und unsträflich sein sollte. Frage: Tatest du solches um deswillen, weil du dessen nicht würdig wärest? Antwort: Ja, denn ich habe Runzeln und Flecken. Frage: Was hältst du von der heiligen Kirche? Antwort: Ich weiß von keiner heiligen Kirche, als von der Gemeinde der Apostel, von der Christus der Eckstein ist. Frage: Das wissen wir wohl, dass es damals eine heilige Kirche war. Antwort: Kann denn auch ein anderer Grund gelegt werden, als der gelegt ist? Paulus sagte an die Galater im ersten Kapitel: Es wundert mich, dass ihr euch so bald lasst abwenden von dem, der euch berufen in die Gnade Jesu Christi, auf ein ander Evangelium, so doch kein anderes ist, ohne dass etliche sind, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren. Aber so auch wir oder ein Engel vom Himmel euch das Evangelium würde anders predigen, denn das ihr empfangen habt, der sei verflucht. Predige ich denn jetzt Menschen oder Gott Zu Dienst? Oder gedenke ich Menschen gefällig zu sein? Wenn ich Menschen noch gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht; denn das Evangelium das ich predige, ist nicht menschlich, denn ich habe es von keinem Menschen empfangen noch gelernt. Ferner sagte er zu den Korinthern: Ich hielt mich nicht dafür, dass ich etwas wüsste unter euch, ohne allein Jesum Christum, den Gekreuzigten. Frage: Wohl, was hältst du von Maria, der Mutter Gottes? Antwort: Viel, denn sie hat sich vor dem Herrn gedemütigt und ist durch ihre Demut erhoben wurden. Frage: Du hast wohl geantwortet. Was hältst du von dem Fegefeuer? Antwort: Ich weiß sonst von keinem Wege, als von zwei Wegen. Frage: Kennst du auch wohl euren Prediger? Antwort: Ich kenne ihn wohl von Ansehen, aber ich habe ihn niemals angeredet, und er auch mich nicht. Frage: Warum hast du ihn nicht gehört? Frage: Weil Jakobus in seinem 1. Kap. sagt: »Ein Zweifler ist unbeständig in allen seinen Wegen.« Frage: Wohl, was hat er denn gesagt? Antwort: Ich habe sagen gehört, dass er gesagt haben soll, dass der Mensch allein durch den Tod Christi nicht selig werden könne. Frage: Hat er denn daran übel geredet? Antwort: Ja, denn Paulus sagt: Durch welches ihr nicht konntet im Gesetz Moses gerecht werden, wer aber an diesen glaubt, der ist gerecht. Frage: Man weiß das wohl, dass man durch das Gesetz nicht selig werden könne. Antwort: Petrus sagt, dass den Menschen kein anderer Name gegeben sei, wodurch sie selig werden können, als nur der Name Jesu Christi. Frage: Wohl, wie lange ist es, dass du getauft worden bist? Als ich zu meinen Jahren gekommen bin. Bist du denn mit dieser Taufe zufrieden, dass du dadurch selig werden kannst? Antwort: Ja, ich glaube durch den Tod Jesu Christi selig zu werden. Frage: Wir müssen dennoch wissen, ob du glaubest, dabei selig zu werden? Antwort: Ich glaube, durch den Tod Christi selig zu werden. Frage: Wenn du dazu kommen könntest, würdest du dich nicht mehr taufen lassen? Antwort: Das weiß ich nicht, denn Gott weiß beides, das Wollen und das Vollbringen. Frage: Wir wollen aber doch wissen, ob du die Taufe, die du in der Kindheit empfangen hast, für die rechte Taufe hältst, oder die, welche auf den Glauben geschieht? Antwort: Willst du solches deutlich wissen? Es steht geschrieben, dass der Herr zu seinen Aposteln gesagt habe: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium allen Kreaturen, wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubt, soll verdammt werden. Ferner sagten die Männer zu Petrus und den Aposteln: Was sollen wir tun, dass wir selig werden? Tut Buße, sagt er, und lasse sich ein jeglicher taufen in dem Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes, welche euch und euren Kindern verheißen ist und allen denen, die ferne sind, welche Gott unser Herr hinzurufen wird. Ferner bezeugt er mit vielen andern Worten und sagt: Lasset euch helfen von diesen unartigen Leuten. Die nun sein Wort gerne annahmen, ließen sich taufen und wurden auf diesen Tag an dreitausend Seelen dazu getan; sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und in dem Brotbrechen, und im Gebet, und es kam alle Seelen eine Furcht an und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hielten alle Dinge gemeinschaftlich. Ihre Güter und Habe verkauften sie und teilten sie unter alle, je nachdem jedermann Not hatte, und sie waren täglich und stets beieinander einmütig im Tempel und brachen das Brot hin und her in den Häusern, nahmen die Speise und lobten Gott mit demütigem Herzen und hatten Gnade bei allem Volke. Frage: Hier sagst du selbst, dass die Apostel in den Tempel gegangen seien? Antwort: Ja, das ist wahr, das war ein Tempel, den Gott zu bauen befohlen hat. Frage: Die Apostel gingen aber aus zu lehren, wohin gingen sie denn zu lehren? Antwort: Wo sie hinkamen, da gingen sie in die Schulen und predigten das Evangelium Christi. Frage: Wir haben gehört, dass du auch lehrest, wo du hinkommst? Antwort: O Herr! Was sollte ich predigen? Es kann wohl sein, dass wir das Evangelium untereinander gelesen haben. Frage: Wo habt ihr dasselbe miteinander gelesen? Antwort: Das weiß ich nicht. Frage: Wie sollst du das nicht wissen, mit welchen du es gelesen hast? Antwort: Wie sollte ich das wissen, bald mit dem einen, bald mit dem andern. Hierauf haben sie viele genannt und gesagt. Frage: Kennst du diese und jene wohl? Antwort: Ja, ich kenne sie wohl. Frage: Hast du keine Bücher von Menno Simon und David Joris? Antwort: Nein, ich habe keine Bücher zu Hause, als eine Bibel, ein Testament und ein Büchlein vom Glauben. Darauf haben sie mancherlei gefragt und gesagt: Es sei so viel gesagt worden, dass wir hier und da gepredigt hätten; es wäre auch keine Stadt, wo wir gewesen, oder sie wüssten es besser, als ich es selbst wüsste. Nun, meine lieben Brüder, ich befehle euch Gott und dem Worte seiner Gnade, die mächtig ist, euch zu stärken und zu bewahren, und euch das Erbe aller Heiligen zu geben; darum sehe jeder zu, dass er nicht so vermessen und stolz sei und Wasser in den Brunnen des Lebens gieße, denn der Herr sagt, Joh 6,44: Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, dass ihn der Vater, der mich gesandt hat, ziehe, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. Es steht geschrieben in den Propheten: Sie werden alle von Gott gelehrt sein; wer es nun hört vom Vater und lernt es, der kommt zu mir. Nicht, dass jemand den Vater gesehen habe; darum, liebe Brüder und Schwestern, lasst uns Gott einmütig um Weisheit bitten, gleichwie der Apostel Jakobus uns lehrt, und uns vor dem Sauerteige der Pharisäer und Sadduzäer hüten, welcher Heuchelei oder Scheinheiligkeit ist; darum lasset uns dem obersten Herrn und Hirten Christo nachfolgen, und Ihm, vor Gott dem Vater, Lob und Dank sagen, welchem allezeit Preis und Lob von Ewigkeit zu Ewigkeit sei. Amen.

Hier beginnt das Testament, welches Dirk Pieterß Samuel sel. And. im Gefängnisse an seine Hausfrau geschrieben hat, als er sich zubereitete, um des Namens und Zeugnisses Jesu willen zu sterben, worin er sie getröstet und ermahnt hat, dass sie Fleiß anwenden und seine und ihre Kinder von Jugend auf in der Gottesfurcht unterrichten soll:

Gnade und Friede von Gott, dem Vater unsers Herrn Jesu Christi, Amen. Ich ermahne dich, meine allerliebste Schwester und Weib, Wellemoet Claes, dass du deinen Leib zu einem lebendigen Opfer begebest, das heilig und Gott wohlgefällig und dein vernünftiger Gottesdienst sei, und dass du dich dieser Welt nicht gleichstellst. Jakobus sagt: Wer der Welt Freund sein will, muss Gottes Feind sein; denn der Herr Jesus sagt, Joh 16,20: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr werdet weinen und heulen, und die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. Ein Weib, wenn sie gebärt, hat Traurigkeit, denn ihre Stunde ist gekommen, wenn sie aber das Kind geboren hat, so gedenkt sie nicht mehr der Angst, um der Freude willen, dass der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Darum sollen wir mit dem heiligen Apostel Paulus sagen: Wer kann uns scheiden von der Liebe Gottes, Trübsal oder Verfolgung, oder Hunger, oder Blöße, oder Gefahr, oder Schwert, gleichwie geschrieben steht: Um deinetwillen werden wir den ganzen Tag getötet; wir sind wie Schlachtschafe geachtet, die zum Tode geführt werden, aber in allem überwinden wir weit, um deswillen, der uns geliebt hat. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buche des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Wer Ohren hat zu hören, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt. So bitte ich dich nun, meine Allerliebste, dass du vorsichtig wandeln wollest, nicht wie die Unweisen, sondern wie die Weisen, und kaufe die Zeit aus, denn es ist böse Zeit, und sei nicht unverständig, sondern verständig und tue, was des Herrn Wille sei, denn es ist genug, dass wir die vergangene Zeit des Lebens nach heidnischem Willen zugebracht haben, wo wir in Unzucht, Lüsten, Trunkenheit, Fresserei, Sauferei und gräulichen Abgöttereien wandelten. Darum, wer sich dünken lässt, er stehe, mag wohl zusehen, dass er nicht falle. Es hat euch bis jetzt nur menschliche Versuchung beschlichen; denn Gott ist getreu, er lässt euch nicht über Vermögen versucht werden, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende gewinne, dass ihr es tragen könnt.

Darum, meine Liebsten, flieht vor dem Götzendienste, und wisset, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Golde von dem eitlen Wandeln nach väterlicher Weise erlöset seid, sondern mit dem teuren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes, das zuvor ersehen ist, ehe der Welt Grund gelegt ward; aber in den letzten Zeiten um euretwillen offenbart, die ihr durch ihn an Gott glaubt, der Ihn von den Toten auferweckt und Ihm die Herrlichkeit gegeben hat, damit ihr Glauben und Hoffnung zu Gott haben mögt; denn die Hauptsumme und das Ende des Gebotes ist Liebe von reinem Herzen und von gutem Gewissen und von ungefärbter Liebe oder Glauben. Dieses sagte Jesus und hob seine Augen gen Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist hier, dass Du deinen Sohn verklärst, auf dass Dich dein Sohn auch verkläre. Gleichwie Du Ihm Macht gegeben hast über alles Fleisch, damit Er das ewige Leben gebe allen, die Du Ihm gegeben hast. Das ist das ewige Leben, dass sie Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesum Christum recht erkennen. Denn einen solchen Hohenpriester sollten wir haben, der da wäre heilig, unschuldig, unbefleckt von den Sünden abgesondert, und höher denn der Himmel ist; dem nicht täglich Not wäre, wie jenen Hohenpriestern, zuerst für eigene Sünden Opfer zu tun, darnach für des Volkes Sünde; denn das hat Er einmal getan, da Er sich selbst opferte. Denn das Gesetz macht Menschen zu Hohenpriestern, die da Schwachheit haben. Dies Wort aber des Eides, das nach dem Gesetze gesagt ist, setzt den Sohn ewig und vollkommen.

Deshalb ermahne ich dich, meine Allerliebste, da wir einen solchen Hohenpriester über das Haus Gottes haben: Lasst uns hinzugeben mit wahrhaftigem Herzen in vollkommenem Glauben. Johannes sagt: Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, auf dass ihr nicht sündigt, und ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei Gott dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist; dieser ist die Versöhnung für unsere Sünden. Nun befehle ich dich Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, dich zu erbauen und dir das Erbe unter allen zu geben, die geheiligt werden.

Die Gnade unseres Herrn sei mit dir nun und zu ewigen Zeiten, Amen.

So ermahne ich dich nun, meine allerliebste Mutter, dass du fleißig Sorge tragest und die Kinder von Jugend auf Gott fürchten lehrest.