2.114  Michael Matschilder, Elisabeth, sein Weib, und Hans Gurßham, im Jahre 1546.

In diesem Jahre 1546 ist auch der Bruder Michael Matschilder, oder der kleine Michael genannt, welcher ein Diener Jesu Christi und seiner Gemeinde gewesen, mit zwei andern, nämlich seinem ehelichen Weibe Elisabeth, und mit Hans Gurßham, einem Schuhmacher, zu Altenburg in Oberkärnten gefangen gelegt und verhört worden. Daselbst war ein Doctor und ein Gelehrter von Vilach; diese handelten mit ihnen, aber dieser Bruder gab ihnen solche Reden und Antworten, dass sie mit Schande ihren Abschied nehmen mussten und nichts ausrichten konnten.

Nachher hat man sie in eisernen Ketten durch Steiermark geführt, und sie zu Wien im Amthause dem Stockmeister überantwortet, welcher sagte: Kommt, ich will euch in ein Gewölbe bringen; es befanden sich aber in demselben Hans Stautdach und seine drei Mitgefangenen.

Als sie zusammenkamen, umarmten und küssten sie einander und lobten Gott, dass er sie um seines Namens Ehre willen zusammengebracht hatte; nachher hat man Hans Stautdach nebst seinen drei Mitgefangenen, wie zuvor gemeldet, hingerichtet; diese letzteren aber hat man sehr lange, nämlich an drei Jahre, nämlich bis ins Jahr 1549 gefangen gehalten, um welche Zeit in der Stadt ein Brand entstanden ist. Bei dieser Gelegenheit hat man, wie in dieser Stadt gebräuchlich ist, wenn ein Brand entsteht, die Stadttore zugeschlossen und die Gefangenen losgelassen. Nachdem nun der Brand gelöscht war, ist, durch Gottes Schickung und der Beihilfe eines Bürgers, der Bruder Michael und sein Weib aus der Stadt entkommen und bei der Gemeinde angelangt, und also hat ihnen Gott unverletzt und in Frieden wieder zu ihrer Freiheit geholfen. Hans Gurßham aber ist wieder ins Gefängnis gegangen und hat noch ein Jahr gefangen gelegen, nämlich bis ins Jahr 1550, zu welcher Zeit er auf einen Freitag frühe, im Juni, in der Donau ertränkt und also hingerichtet worden ist.